IP #27, Für Eltern oder Erziehungsberechtigte…

IP #27, For the Parents…

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Für Eltern oder Erziehungsberechtigte von Minderjährigen in NA

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Dieses Faltblatt ist nicht als Erziehungsratgeber zu verstehen, sondern soll Fragen von Eltern oder Erziehungsberechtigten beantworten, deren Kinder zu Narcotics Anonymous (NA) gekommen sind. Es berichtet von allgemeinen Erfahrungen junger Süchtiger, die in NA clean geworden und geblieben sind. Weltweit haben junge Süchtige in NA Genesung von der Drogensucht gefunden. Wir hoffen, dass diese Informationen für alle hilfreich sind, die mehr über die Erfahrungen junger Menschen in Genesung wissen möchten.

Das NA-Programm

Das NA-Programm ist in den Zwölf Schritten beschrieben; es wird auch in anderer NA-Literatur erläutert. Es definiert Sucht als eine »körperliche, geistige und spirituelle Krankheit«, welche jeden Aspekt unseres Lebens betrifft. Genesung in NA bedeutet daher mehr als nur die Abstinenz von Drogen.

Was passiert in NA-Meetings?

In einem NA-Meeting können Mitglieder offen über ihre Erfolge und ihre Schwierigkeiten, ein drogenfreies Leben zu führen, sprechen. Sie reden oft über Alltagsprobleme und wie sie versuchen, diese Probleme mithilfe der in den Zwölf Schritten enthaltenen Prinzipien zu bewältigen. Häufig treffen sich NA-Mitglieder vor oder nach diesen als »Meetings« bezeichneten Treffen und in vielen dieser Meetings umarmen sie sich zur Begrüßung. NA-Meetings bieten genesenden Süchtigen eine Möglichkeit, Beziehungen zu anderen »cleanen«, also abstinenten, Süchtigen aufzubauen und einen Gemeinschaftssinn zu entwickeln. Diese Beziehungen sind für die Mitglieder eine wichtige Unterstützung auf ihrem neuen Lebensweg. Gewöhnlich werden NA-Meetings von einem als »Chairperson« bezeichneten Mitglied geleitet. In vielen Gruppen werden Schlüsselanhänger verschenkt, um längere Zeiten der Abstinenz zu feiern.

Was während eines Meetings passiert, finden Sie am besten heraus, wenn Sie eines in Ihrer Gegend besuchen. In sogenannten »offenen« NA-Meetings sind Freunde, Verwandte und andere Interessierte willkommen, während »geschlossene« Meetings nur für Süchtige bestimmt sind. In den Verzeichnissen örtlicher Meetings und auf den Ansagen von Kontakttelefonen wird normalerweise angegeben, welche Meetings »offen« und welche »geschlossen« sind.

In NA konzentrieren wir uns auf die Krankheit Sucht, nicht auf eine bestimmte Substanz. Auch wenn NA für »Narcotics Anonymous« steht, sind wir eine Gemeinschaft von Süchtigen, die alle möglichen Drogen und bewusstseinsverändernde Stoffe genommen haben.

Wer führt NA-Meetings durch?

NA ist ein Zwölf-Schritte-Programm von genesenden Süchtigen. Die Mitglieder sind keine Therapeuten für Drogensucht, sondern selbst Betroffene. Häufig übernehmen die Mitglieder eine bestimmte Verantwortung in ihrer NA-Gruppe vor Ort, zum Beispiel Stühle aufstellen, Kaffee kochen oder die Spenden der Mitglieder verwalten. Diese ehrenamtlichen Aufgaben bedeuten oft eine größere Motivation, regelmäßig an den jeweiligen Meetings teilzunehmen.

Teilnahme an Meetings

Viele NA-Mitglieder haben festgestellt, dass ihnen der regelmäßige Besuch von Meetings hilft, abstinent zu bleiben und sich mit dem NA-Programm und anderen NA-Mitgliedern verbunden zu fühlen. Die NA-Literatur empfiehlt neuen Mitgliedern, während der ersten 90 Tage möglichst jeden Tag ein Meeting zu besuchen und danach regelmäßig an Meetings teilzunehmen. Viele junge Mitglieder haben festgestellt, dass es ihren Genesungsprozess behindert, wenn ihnen verboten wird, an Meetings teilzunehmen. Für einen genesenden Süchtigen kann diese Erfahrung gleichbedeutend sein mit einem Schulverbot oder dem Verbot, eine körperliche Krankheit zu behandeln. Genesung bedeutet, gesunde Beziehungen aufzubauen, und dieser Prozess beginnt normalerweise in NAMeetings. Diese Beziehungen spielen eine wichtige Rolle dabei, Abstinenz von Drogen zu erreichen und eine neue Lebensweise zu erlernen.

Sponsorschaft in NA

Sponsorschaft ist ein wichtiger Bestandteil des NAProgramms. Ein Sponsor oder eine Sponsorin ist ein erfahrenes NA-Mitglied, das einem neueren Mitglied durch das Teilen seiner Erfahrungen hilft, clean zu bleiben und die Zwölf Schritte in seinem Leben anzuwenden. Ein Sponsor wird weder bezahlt noch ist er ein Therapeut oder in anderer Weise professionell tätig. Sponsoren sind auch nicht verantwortlich für die Genesung oder Abstinenz ihrer »Sponsees«. Dennoch spielt Sponsorschaft eine wichtige Rolle im Leben cleaner Süchtiger.

Einige junge Süchtige haben festgestellt, dass ein Treffen der Eltern mit dem Sponsor diesen helfen kann, diese Art der Beziehung besser zu verstehen und zu akzeptieren. Sponsorschaft erfordert Vertrauen und Verschwiegenheit. Um diese Beziehung nicht zu gefährden, sollte diese Vertraulichkeit auch von den Eltern respektiert werden. Weitere Informationen zum Thema Sponsorschaft finden Sie im Faltblatt 11 oder im Buch Sponsorschaft.

Wie finanziert sich NA?

NA finanziert sich selbst durch Spenden der Mitglieder. Mitglieder, die in der Lage dazu sind, spenden einen kleinen Betrag, um die NA-Meetings am Laufen zu halten. Dieses Geld dient dazu, die Raummiete, Getränke und NA-Literatur zu bezahlen. NA-Literatur kann in den meisten NA-Meetings erworben werden, ein Teil der Literatur wird auch kostenlos abgegeben.

Wird NA mein Kind von der Religion seiner Familie entfremden?

NA ist ein spirituelles Programm. Keine Religion wird befürwortet oder abgelehnt. Unter einem spirituellen Programm verstehen wir die praktische Anwendung von Prinzipien wie Ehrlichkeit und Dankbarkeit im Alltag. NA steht nicht im Wettbewerb mit irgendeiner Religion oder im Widerspruch zu ihr; NA fordert von seinen Mitgliedern nicht, religiös zu sein. In vielen Fällen ergänzt NA bereits vorhandene religiöse oder spirituelle Überzeugungen der Mitglieder.

Freiheit

Wie junge NA-Mitglieder Unterstützung von ihren Familien gefunden haben

Viele Eltern würden gerne wissen, wie sie sich ihrem Kind, welches zu NA gefunden hat, gegenüber verhalten sollen. Es gibt dafür zwar keine Regel, aber es kann hilfreich sein, im Hinterkopf zu behalten, dass Genesung Zeit braucht. Die Anwendung der Prinzipien, die in den Zwölf Schritten enthalten sind, ist eine individuelle Erfahrung. Sie beinhaltet unter anderem, eine persönliche Inventur durchzuführen und Wiedergutmachung zu leisten. Der folgende Abschnitt enthält einige Beispiele dafür, wie junge Mitglieder in ihrer Genesung von ihren Familien unterstützt wurden.

Die Genesung an die erste Stelle zu setzen bedeutet gerade zu Beginn, regelmäßig Meetings und andere Veranstaltungen von NA zu besuchen, mit anderen Mitgliedern zu telefonieren und sich mit anderen Süchtigen zu treffen, die keine Drogen mehr nehmen. Junge Mitglieder sagen oft, dass ihre Eltern sich besser fühlen, nachdem sie die NA-Freunde ihres Kindes persönlich kennengelernt haben.

In NA ist Genesung ein langfristiger Prozess. Viele NA-Mitglieder gehen lange, nachdem sie clean geworden sind, weiterhin in Meetings. Die Frage, wann sie denn aufhören, in Meetings zu gehen, wird daher von vielen jungen Mitgliedern als wenig hilfreich empfunden.

Die Balance zwischen Schule und Meetings zu finden, ist eine typische Herausforderung für junge NAMitglieder und deren Eltern. Vielen jungen Süchtigen ist es gelungen, ihre schulischen Verpflichtungen mit ihrer Genesung in Einklang zu bringen, zum Beispiel durch den Besuch von Meetings zur Mittagszeit oder am Wochenende.

Junge Mitglieder sagen oft, dass sie sich von einfachen Dingen am meisten unterstützt fühlen, zum Beispiel wenn Eltern sich an den sogenannten Cleangeburtstag ihres Kindes erinnern und sagen, dass sie stolz darauf sind, dass ihr Kind erfolgreich clean bleibt und Genesung findet.

Völlige Abstinenz unterstützen

NA ist ein Programm völliger Abstinenz von allen Drogen einschließlich Alkohol. Daher ist es für junge Mitglieder oft schwer, wenn in ihren Familien weiterhin Drogen und Alkohol konsumiert werden.

Wenn Ihr Kind Medikamente nimmt

NA hat keine Meinung zur Einnahme ärztlich verschriebener Medikamente. Es kann aber sein, dass NA-Mitglieder ihre persönliche Meinung zu dem Thema teilen. Es kann sogar sein, das jemand ihrem Kind erzählt, es wäre nicht clean. Es handelt sich hier jedoch um individuelle Meinungen von einzelnen NAMitgliedern, nicht von NA als Organisation.

Verletzungen oder Operationen, bei denen Schmerzmittel unter Umständen notwendig sind, können für Eltern verwirrend sein, wenn sie die Abstinenz ihrer Kinder unterstützen möchten. Das Heft mit dem Titel In Zeiten von Krankheit bietet Erfahrungen und Hinweise für cleane Süchtige, die in ihrer Genesung Schmerzmittel einnehmen müssen.

Rückfall verstehen

Es kann durchaus passieren, dass genesende Süchtige rückfällig werden und wieder Drogen nehmen. Oft gibt es familieninterne Konsequenzen wegen des Rückfalls, aber generell ist der Weg zurück in Genesung und ein cleanes Leben weiterhin offen. Leider ist ein Rückfall mitunter Bestandteil des Genesungsprozesses mancher Süchtiger. Unsere Literatur und unsere Erfahrung besagen jedoch, dass »wir noch nie einen Rückfall bei denjenigen gesehen haben, die das NAProgramm leben.« Wenn sich jemand jedoch aktiv dafür entscheidet, das NA-Programm zu leben, bleibt er clean. Viele Mitglieder kommen von einem Rückfall zurück und erleben dann eine langfristige Genesung. Weitere Informationen zum Thema »Rückfall« finden Sie im Basic Text, Narcotics Anonymous, im Kapitel »Genesung und Rückfall« sowie im Faltblatt Genesung und Rückfall.

Unterstützung für Familien

Viele Angehörige finden Unterstützung in Selbsthilfegruppen für Angehörige wie Nar-Anon oder Families Anonymous. Narcotics Anonymous ist mit diesen Organisationen weder verbunden noch empfehlen wir eine dieser Gruppen mehr als die andere. Im Geiste der Kooperation teilen wir Ihnen lediglich mit, dass es diese Organisationen gibt.

Dieses Material wurde aus den Erfahrungen junger Süchtiger zusammengestellt, die durch NA clean geblieben sind und einen neuen Lebensweg gefunden haben. Wir hoffen, dass dieses Faltblatt jungen Menschen und ihren Eltern helfen wird, Antworten auf allgemeine Fragen zur Genesung in NA zu finden!

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